Frankenstein Junior

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Jahr: 2013

Librettist: Mel Brooks, Gene Wilder

Komponist: John Morris

Mit „Frankenstein Junior“ (Originaltitel: „Young Frankenstein“) hat Hollywoods legendärer Großkomiker Mel Brooks erst vor wenigen Jahren das zweite Werk einer späten, aber umso erfolgreicheren Karriere als Musical-Autor am Broadway vorgelegt. Bekannt geworden vor allem für seine aberwitzigen Persiflagen von Filmgenres (unvergesslich: „Spaceballs“, die geniale „Star Wars“-Verballhornung) überraschte Brooks im Jahr 2001 mit der Bühnenfassung seines ersten Films „The Producers“. Als Texter und Komponist brachte er die schräge Geschichte eines abgehalfterten Broadway-Tycoons, der ein Musical über Hitler produziert, ins Theater und landete damit über Nacht einen Welterfolg. Auch „Frankenstein Junior“, dessen deutsche Erstaufführung nur wenige Tage vor der Lohner Premiere im Theater Halle stattfindet, adaptiert eine der frühen Kinoarbeiten von Mel Brooks, in der er die Tradition des klassischen Horrorfilms der 30er bis 50er Jahre aufs Korn nimmt.

 

Deshalb zeigt die Bühne in der Inszenierung der Musical-AG ein Filmset mit Requisitenlagern und verschiedenen kleinen Kulissenräumen, in denen der Zuschauer die Darsteller als Filmschauspieler beim Dreh der Szenen eines Grusel-Streifens sieht. Die Ausstattung ist opulent und detailverliebt – dem gedachten Handlungsort entsprechend: der Traumfabrik Hollywood in ihren goldenen Zeiten, als man Filme noch in „Ateliers“ mit riesigen Glasdächern herstellte. Nicht nur auf diese Weise, sondern auch durch die bevorzugte Verwendung gedeckter Farben, die einen an Schwarz-Weiß-Fotografie erinnernden Sepia-Effekt erzeugt, tragen Bühnen- und Kostümbild den Charakter des Stücks entscheidend mit: „Frankenstein Junior“ ist trotz seiner grotesk-albernen Handlung ein Musical in der Tradition großer Broadway-Hits einer lange vergangenen glanzvollen Ära des Show-Business. Die oft swingende Partitur, die von den Musikern teilweise große Virtuosität fordert, bietet rasante Vaudeville-Nummern, reich instrumentierte Revue-Tänze und eingängige Schlager.

 

Dreh- und Angelpunkt der Aufführung sind die zwischen Slapstick und absurdem Theater changierenden komödiantischen Szenen, die den Darstellern nicht nur präzises Timing, sondern auch reichlich Mut zur Exaltation abverlangen. Aus heutiger Sicht erscheinen schon die in den originalen Schauer-Schockern wie „Frankenstein“, „Dracula“ oder „Die Mumie“ auftretenden Figuren reichlich bizarr, doch werden diese Charaktere in „Frankenstein Junior“ nochmals grotesk übertrieben und so ins Lächerliche verdreht.

 

Mel Brooks kindliche Freude am klaumaukigen Witz ist wie maßgeschneidert für das etwa 100köpfige Ensemble der Musical-AG, das sich im 19. Jahr seines Bestehens wie immer mit großem Enthusiasmus an die Umsetzung dieses komödiantischen Meisterwerks gemacht hat – auf der Bühne, im Orchester und hinter den Kulissen. Nach neun Monaten harter Probenzeit wird unsere ganz besondere Kreatur nun endlich vor Publikum zum Leben erweckt. Vorhang auf für das, was in Transsilvaniens Nacht manisch macht – Vorhang auf für „Frankenstein Junior“!